Was ist eine Thrombotische Mikroangiopathie?
Thrombotische Mikroangiopathien (TMA) sind selten und schĂ€digen kleine BlutgefĂ€Ăe. Dabei bilden sich winzige Blutgerinnsel. Das stört die Durchblutung und kann verschiedene Organe beeintrĂ€chtigen. TMA treten in unterschiedlichen Formen auf und verursachen verschiedene Symptome und VerĂ€nderungen im Blut. In diesem Artikel erfĂ€hrst Du, was im Körper bei einer TMA passiert, welche Formen es gibt und welche Laborwerte dabei verĂ€ndert sind.
Was passiert bei einer TMA im Körper?
Der Name Thrombotische Mikroangiopathien beschreibt, was im Körper passiert: âThrombotischâ bedeutet âdurch Blutgerinnsel bedingtâ und â(Mikro-)Angiopathieâ bezeichnet eine Erkrankung der (kleinen) BlutgefĂ€Ăe. Viele kleine Gerinnsel bilden sich in den BlutgefĂ€Ăen. Sie behindern den Blutfluss und können Organe schĂ€digen, insbesondere die Nieren und das Gehirn.
Die Gerinnsel bestehen hauptsÀchlich aus BlutplÀttchen (Thrombozyten). Dadurch sinkt die Zahl der freien BlutplÀttchen im Blut und es entsteht ein Mangel an BlutplÀttchen (Thrombozytopenie).
Die Gerinnsel verengen zudem die kleinen BlutgefĂ€Ăe, sodass rote Blutkörperchen (Erythrozyten) nicht ungehindert hindurchflieĂen. Sie werden dabei beschĂ€digt oder zerstört. Diesen Prozess nennt man HĂ€molyse und er fĂŒhrt zu einer Blutarmut (AnĂ€mie).
Blut besteht aus verschiedenen Blutzellen. Die roten Blutkörperchen (Erythrozyten) transportieren Sauerstoff durch den Körper. Die Blutplättchen (Thrombozyten) sind wichtig für die Blutgerinnung. Weiße Blutkörperchen (Leukozyten) helfen, Krankheitserreger abzuwehren. Zusammen sorgen sie für den Transport, die Abwehr und die Wundheilung.
Welche Formen der TMA gibt es?
Thrombotische Mikroangiopathien können durch unterschiedliche Krankheiten hervorgerufen werden. Man kann primÀre und sekundÀre Formen unterscheiden.
Die PrimÀre TMA
Bei primĂ€ren Formen ist die TMA das klassische Muster, mit der sich die jeweilige Erkrankung zeigt. Hier liegt eine Ursache vor, die direkt zur Thrombotischen Mikroangiopathie fĂŒhrt. Dazu gehören:
Ein bestimmter Teil des Immunsystems (das sogenannte Komplementsystem) ist gestört, wodurch Abwehrmechanismen zu aktiv sind. Das ist zum Beispiel beim atypischen hÀmolytisch-urÀmischen Syndrom (aHUS) der Fall.
Es gibt Probleme bei der Blutgerinnung, weil ein wichtiges EiweiĂ (ADAMTS13) nicht richtig funktioniert, wie zum Beispiel bei einer TTP.
Die innere Wand kleiner BlutgefĂ€Ăe ist beschĂ€digt, wodurch sich leichter Blutgerinnsel bilden.
Ein bestimmter Teil des Immunsystems (das sogenannte Komplementsystem) ist gestört, wodurch Abwehrmechanismen zu aktiv sind. Das ist zum Beispiel beim atypischen hÀmolytisch-urÀmischen Syndrom (aHUS) der Fall.
Es gibt Probleme bei der Blutgerinnung, weil ein wichtiges EiweiĂ (ADAMTS13) nicht richtig funktioniert, wie zum Beispiel bei einer TTP.
Die innere Wand kleiner BlutgefĂ€Ăe ist beschĂ€digt, wodurch sich leichter Blutgerinnsel bilden.
Genetische TMA können von den Eltern vererbt werden oder durch Zufall neu entstehen. Das ist zum Beispiel bei den angeborenen Formen des aHUS und der TTP der Fall. Eine TMA kann auch dann angeboren sein, wenn die TMA erst spĂ€ter im Leben auftritt. Ein Auslöser fĂŒhrt dann zum Ausbruch der TMA. Solche Auslöser können beispielsweise Schwangerschaften, Operationen, Infektionen oder Medikamente sein.
Erworbene TMA wie das STEC-HUS oder die iTTP entstehen durch zu starke Reaktionen des Immunsystems. Sie treten auch ohne angeborene Veranlagung auf.
Erworbene TMA wie das STEC-HUS entstehen durch zu starke Reaktionen des Immunsystems. Sie treten auch ohne angeborene Veranlagung auf.
Die sekundÀre TMA
Bei sekundÀren Formen verursacht eine andere Krankheit die TMA als Nebenerscheinung. Verschiedene Auslöser können eine sekundÀre TMA hervorrufen:
Autoimmunkrankheiten wie Lupus oder Glomerulonephritiden (Membranproliferative Glomerulonephritis; IgA-Nephritis; C3GN oder ANCA-assoziierte Vaskulitis)
schwere Infektionen mit Blutvergiftung (Sepsis)
Probleme mit der Blutgerinnung
Krebserkrankungen oder Chemotherapie
stark erhöhter Blutdruck
Bei sekundÀren Formen bessert sich die TMA hÀufig, wenn der Auslöser erkannt und behandelt wird.
Welche TMA Formen treten bei Kindern und Jugendlichen besonders hÀufig auf?
Symptome bei TMA
Die Symptome hÀngen davon ab, in welchen Organen die Durchblutungsstörungen auftreten.
Blut
Wenn Du Blutarmut hast, kann es zu folgenden Symptomen kommen:
Schwindel
Luftnot
MĂŒdigkeit, Schlappheit, geringe Belastbarkeit
Wenn Du zu wenig BlutplÀttchen hast, bekommst Du leichter blaue Flecken. Manchmal siehst Du auch kleine rote Punkte auf deiner Haut, sogenannte Petechien.
Nieren
Wenn Deine Nieren nicht mehr richtig arbeiten, können folgende Symptome auftreten:
verringerte Urin-Ausscheidung
Wassereinlagerungen im Körper
Ăbelkeit
Juckreiz
Appetitlosigkeit
MĂŒdigkeit
Gehirn
Wenn die Durchblutung Deines Gehirns gestört ist, kann es zu folgenden Symptomen kommen:
Bewusstseinsstörungen
Bewusstlosigkeit
Sprachstörungen
SchlaganfĂ€lle mit LĂ€hmungen oder TaubheitsgefĂŒhl
KrampfanfÀlle
Hirnblutungen
Darm
Wenn Dein Darm betroffen ist, ist es möglich, dass Du folgende Symptome hast:
Bauchschmerzen
Durchfall
Ăbelkeit, Erbrechen
Beim STEC-HUS sind die Verdauungsbeschwerden oft besonders stark ausgeprÀgt.
Was passiert bei Verdacht auf TMA?
Bei einer akuten TMA ist eine sofortige Behandlung nötig. Zuerst sorgen Ărztinnen und Ărzte dafĂŒr, dass lebenswichtige Funktionen stabil bleiben. Gleichzeitig wird schnell nach der Ursache gesucht.
Bei einer TMA zeigen Blutuntersuchungen häufig typische Veränderungen:
Beim Zerfall roter Blutkörperchen entsteht vermehrt ein Abbauprodukt namens Bilirubin.
Haptoglobin ist ein Eiweiß, das den Blutfarbstoff (Hämoglobin) bindet. Hämoglobin wird beim Zerfall roter Blutkörperchen freigesetzt. Dadurch wird Haptoglobin verbraucht und ist oft stark vermindert.
Durch die Bildung kleiner Blutgerinnsel ist die Zahl der freien Blutplättchen (Thrombozyten) im Blut deutlich vermindert (Thrombozytopenie).
Wenn Blutzellen und Organgewebe geschädigt werden, gelangen spezielle Eiweiße (Enzyme) wie Laktatdehydrogenase (LDH) ins Blut.
Zerstörte rote Blutkörperchen lassen sich im Blut als Bruchstücke (Fragmentozyten) nachweisen.
Es können auch andere Blutwerte verändert sein, zum Beispiel Werte von Leber, Nieren, oder Herz, infolge der Durchblutungsstörungen.
Die Behandlung findet in spezialisierten Kliniken statt, die Erfahrung mit TMA haben. Welche Therapie Du bekommst, hÀngt davon ab, welche Form der TMA vorliegt und was sie ausgelöst hat.
In aller KĂŒrze
Bei einer Thrombotischen Mikroangiopathie (TMA) bilden sich viele kleine Blutgerinnsel in den kleinsten BlutgefĂ€Ăen. Diese Gerinnsel stören den Blutfluss und schĂ€digen Organe. Es gibt verschiedene Erkrankungen, die eine TMA auslösen. Man unterscheidet primĂ€re und sekundĂ€re Formen. TMA können angeboren oder im Laufe des Lebens erworben sein.
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